WAS BLEIBT ÜBRIG?

Eine Frau Mitte Vierzig sitzt in einem Hotelzimmer mit drei Reisetaschen voller Kleider.

Sie musste fort von einem Mann, von einem Leben.

Was bleibt übrig? Sie wühlt in den Taschen, wühlt sich durch die Kleider. Das Hotelzimmer ist ihre Bühne.

Sie trägt sie noch einmal alle, die rosa Bluse, den gelben Jupe, die Lederjacke. Sie tanzt und singt.

Ein Hotelzimmer, das offene Fenster geht auf den Hinterhof, Geruch nach Frittieröl, Stimmengewirr, Bassklänge von irgendwoher. Die Frau sitzt auf dem Bett, starrt aus dem Fenster auf die gegenüberliegende Hauswand. Wie lange schon? Seit heute früh? Seit gestern Nacht? Seit Tagen? Um sich die Reisetaschen, angefüllt mit hastig reingestopften Kleidern. Das bleibt übrig? Die Frau lacht, das Wummern und Stampfen des Basses im Bauch, in den Gedärmen, unter der Brust. Sie tanzt.

Sie musste weg, niemand sollte es merken, einfach weg, spurlos verschwinden. Irgendwohin, in eine fremde Stadt, abtauchen im Gewirr der Strassen, nicht wissen, wohin, irgendwo ein Ort, wo sie halten, sich hinlegen, Luft holen kann, am besten eine Absteige, wo niemand Fragen stellt, niemand weiss, wer sie ist, keiner nach ihr sucht.

Sie muss die Gedanken sortieren, ihr Leben ist in den Kleidern. Die Gefühle, die Bilder, die Sätze, es sind die Geschichten, sie muss die Geschichten sortieren, ihre Geschichte. Sie wühlt in den Taschen, wühlt sich durch die Vergangenheit, eine Bluse, eine Hose, Strümpfe, ein Schal, eine Jacke, dieser ganze Kram, ihr Leben. Sie ist gestrandet mit drei Taschen voller Kleider. Sie sagt sich, ich bin noch nicht tot, ich bin noch ich, muss mich nur wieder finden und zusammensetzen.

Was bleibt übrig?



WARUM DIESES STÜCK?

Weil wir Geschichten brauchen, auch wenn das Leben sich selten an ihre Versprechen hält.

ChaOs OverdOse beginnt im Danach – dort, wo das Märchen endet und ein Mensch sich selbst wieder begegnen muss.

INHALT & ÄSTHETIK

  • Eine Bügelstation, die als Live-Mixing-Tisch der Musikerin dient

  • Ein Stuhl, ein stoffloser Parasol, ein alter Koffer, eine Kiste voller Kleidung

  • Kleine Alltagsobjekte, die plötzlich eine unerwartete Bedeutung erhalten: Zahnbürsten, ein Schlafsack, Kleidungsstücke, unscheinbare Dinge, die sich gegen die Performerin zu wenden scheinen

  • Eine Performerin, deren Körper impulsiv, suchend und fragmentiert reagiert

  • Eine Musikerin (Bratsche + Live-Elektronik), die Gegenkraft, innere Stimmen und die „Verschiebung der Realität“ hörbar macht

NICHT DAS WEGGEHEN IST DER KERN, SONDERN DAS WIEDER-ZU-SICH-KOMMEN DANACH.